„Wir sind es uns wert!“ – ein würdiges Leben im Alter | Stuttgart

Haende_Altenpflege„Eine Hand wird zusehends schöner, wenn man sie streichelt.“
Peter Altenberg 1859 – 1919

Im Projekt geht es um eine Form der „ÜberLebenskunst“ vor Ort, um ein würdiges Leben im Alter, sowie die Ermutigung der Pflegeberufe, sich für die Belange der alten Menschen und den eigenen Beruf einzusetzen.
Das Fotoprojekt „Wir sind es uns wert!“ wurde initiiert durch Maria Sinz vom „TREFFPUNKT Arbeitnehmer/innen in der ambulanten Pflege und stationären Altenhilfe der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung“ in Aalen.

Durch ihre intensive Arbeit, ihre Kontakte zu den Pflegerinnen und Pflegern, den Pflegedienstleitern und Einrichtungsleitungen, Klärung der Bildrechte usw. war eine Vertrauensbasis geschaffen, die ein Fotoprojekt möglich machte. Dazu wurde angefragt, ob Pflegefachkräfte bereit sind, sich bei ihrer Arbeit fotografieren zu lassen, Auskunft zu geben über ihre Berufserfahrungen, was sie an ihrem Beruf schätzen und welche Wünsche sie an die berufliche Zukunft haben.

Ziele des Projekts

  • Eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Situation.
  • Die Darstellung, Beschreibung und Dokumentation der Arbeit nicht nur für die Pflegekasse, sondern zur Aufwertung des Berufes!
  • Transportieren der Fachlichkeit von Pflegeberufen und ein Aufmerksam-Machen im positiven Sinne!
  • Öffentlichkeitsarbeit zur Anerkennung der Arbeit, Einsetzen für bessere Arbeitsbedingen und bessere Bezahlung!
  • Werbung für solidarische Orte wie den Treffpunkt! – Gemeinschaftlich aktiv – statt Einzeln frustriert!

Die Bereitschaft an dem Projekt mitzuarbeiten war hoch, nicht alle Pflegekräfte und Einrichtungen konnten bzw. können aus Zeitgründen begleitet werden.
Ich konnte vorbehaltlos Pflegerinnen und Pfleger in verschiedenen Einrichtungen in ihrem Alltag begleiten und erlebte kompetente, den Menschen zugewandte Fachkräfte, die mit hohem Engagement, Humor, Bestimmtheit und Ideenreichtum ihre Arbeit nicht nur verrichten, sondern leben. Ihre Konzentration, die hohe Wahrnehmungsfähigkeit und die Art, wie sie mit den alltäglichen, komplexen Situationen umgehen, haben mich beeindruckt. Beeindruckt haben mich auch die alten Menschen: Humorvoll, schlagfertig und trotz aller Beschwerden bescheiden und lebensfroh. Ihre Lebensgeschichten waren spannend, ihre Schicksale haben mich tief bewegt. Und ich war fasziniert von ihrem Erinnerungsvermögen. So hörte ich manches, von mir schon längst Vergessenes: Gedichte, Gebete… Ihre Bescheidenheit führt jedoch auch dazu, dass sie abwarten, ihre Bedürfnisse nicht artikulieren, die Pfleger/innen nicht belästigen wollen, den Hausnotruf nicht betätigen … . Ihre Leidensfähigkeit ist ein Nachteil.

Im Grundgesetz steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Art. 1 GG). Ich habe diesen würdevollen Umgang ebenso erlebt wie die hohe Arbeitsbelastung. Und immer wieder wurde deutlich, worunter die Pflegerinnen und Pfleger am meisten leiden:

  • an der fehlenden Anerkennung des Berufes,
  • dem Zeitmangel,
  • dem Überhang an Dokumentation und Bürokratie und
  • der unangemessenen Bezahlung.

Neben vielen anderen Bildern, die nach und nach unterschiedlich verarbeitet wurden (siehe: http://www.kab-drs.de: „Mehr Hände für die Pflege!“) und werden, entstanden die folgenden Bilder der Berührung.

Berührung ist ein zentraler Teil in der Pflege: im direkten Tun und in der Einstellung der Pflegerinnen/ Pfleger.

Je nachdem wie ich berühre: behutsam helfend, fordernd bestimmend, unterstützend auffordernd, hektisch oder ruhig, kann der Kontakt zu einer ruhigen und entspannten oder auch zu einer bedrohenden Situation für die zu Pflegenden werden. Durch die Berührung kann sich der Mensch angenommen, geliebt, verstanden oder auch ausgegrenzt, verletzt, beschämt fühlen.

Der zu pflegende Mensch muss sich den Händen der Pflegerinnen/Pfleger überlassen, in Sicherheit fühlen und darauf vertrauen, dass die pflegenden Hände ihm Handlungsspielraum lassen, ihn nicht schnell abhandeln oder durch zu schnelles Handeln gar entmündigen.
In der Begleitung der Pflegerinnen/Pfleger in ihrem Alltag konnte ich die vielen berührenden Berührungen erleben und erfahren, dass sie mit hoher Kompetenz, mit „Kopf, Herz und Hand“ (Pestalozzi) arbeiten.

Danke für das Vertrauen! Das Projekt geht weiter!
Aloisia Hirth

Hintergrund zum Thema: Im Jahr 2013 wurde bei dem Patienten Pflege ein schwerer Kollaps diagnostiziert, welcher mit massiven Auswirkungen einhergeht. Aloisia Hirth – ein ganz persönlicher Eindruck – zusammengestellt nach Gesprächen mit Pflegefachkräften in verschiedenen Einrichtungen der ambulanten und stationären Pflege.

Weiterlesen: … Anamnese von Patient Pflege